Ich liege auf dem Sofa und draussen windet und schneit es. Eigentlich wollte ich meinen schon seit vier Tagen angefangen Text hochladen, aber durch das immer wieder Nachkorrigieren, mehrheitlich vom Präsenz in die Vergangenheit, da ich immer wieder darüber einschlief, wurde der Text zu zerstückelt und langweilig,
Schimpf
Hysterisch
Nun sitze ich im Kücheneggli, der Ofen brummt. Drin ist eine Krautstiel-Rübli-Wähe. Mit Feta. Mein eindeutiger Wähenkäsefavorit. Bevor ich mit der Wähe anfing, hätte ich am liebsten Brot mit was auch immer in mich hineingestopft, so hungrig war ich. Aber die Krautstiele mit ihren lustigen orangefarbenen Stängel warteten schon seit letztem Mittwoch Abend auf ihren Turnus. So war nix mit schnell schnell essen, dafür gibt‘s dann bald was sehr feines.
Heute Morgen schlief ich wieder so was von lange, als ob ich krank wäre. Interessanterweise erwache ich in letzter Zeit aus äusserst seltsamen Träumen. Vorgestern fielen mir alle unteren Schneidezähne aus, und eine nächste Reihe, sehr seltsam geformt, weiter hinten, war schon parat als Ersatz. Die ausgefallenen Zähne waren so klein wie Milchzähne und ich fragte mein Entourage, was ich mit denen jetzt machen solle. Heute Morgen erwachte ich aus einem Traum, in welchem ich einen Platz in meinem geträumten neuen Heim, in welchem ich angeblich Gast war, suchte, um malen und schreiben zu können. Vielleicht war das eine Andeutung, mir eventuell ein neues Heim zu suchen, da es hier immer noch in die Badewanne regnet und die Verwaltung seit drei Monaten angeblich niemanden findet, welcher unser Dach saniert. Wenn ich doch nur ein Mann wäre, dann könnte ich einmal richtig mit tiefer Stimme rumtoben. Und mit Anwalt drohen. Aber als Frau bin und bleibe ich hysterisch.
Apropos hysterisch: Endlich aufgerafft radelte ich (nach dem Sonnenschein) im Regen zu Serafino, welcher wieder im Wintermodus ist: Beissig, schreckhaft, ungehalten oder eben: Hysterisch. Da es schon gegen vier war, viel Feierabendverkehr hatte u einige Menschen im Dörfli unterwegs waren, entschied ich mich, anstatt wieder mit einem rumtobenden, hengstartigen, widerspenstigen 500kg Vieh durch das Dorf zu spazieren und Leute erschrecken, ihm seine Hufe zu schleifen. Er fand es recht langweilig und versuchte den Knoten seiner Leine aufzuknabbern, was ihm meist, aber nicht heute, gelingt. Und wenn ihm der Staub seiner Hufe von der Schleifmaschine am Bauch gespickt kitzelt, stellt er sich auch ganz doof an und wir bekommen Streit. Aber heute, als ich an seinem Problemhuf schliff (und immer noch Sehnenproblembein), kam ich auf einen ehemaligen Hufabszess, welchen er scheinbar mit Würde erduldet hat, ansonsten ich ihn ja hätte vorher bemerken müssen. So viel zu meinem hysterischen aber tapferen Rössli.
Und während ich da so meine Zeilen schreibe, merke ich gar nicht, wie die Zeit rumgeht und meine Wähe im Ofen… Jessesnei! Grad noch knapp nicht verkohlt. Ein paar Krautstielblättli wurde es zu heiss, aber der Rest… Glück gehabt! Bon Appetit!
Intention
Perfetto
Kätzchen
Nase kraulen
Ohrensausen
Jetzt liege ich ganz erschöpft aber seelig unter meinem zusammengeknüpften Moskitonetz-Himmel im Bett , meine Ohren rauschen, gerade wieder ein bisschen mehr, aber zu dem warum komme ich noch. Erst einmal klingt noch der Dvorak in mir, den die vielen Frauen so schön gesungen und gespielt haben. Klänge aus Mähren.
Greyerzer
Sieben Zwerge
Nun sitze ich in Sissach vor dem Café, Beine bis und mit Bauch gewärmt von der Sonne, neben mir auf dem Tisch ein Resten Cappuccino, er ist nicht der beste, nebendran aber ein leerer Teller auf welchem nur noch ein paar Krümel zu finden sind, feinstes Laugengebäck ruckzuck aufgegessen, und komme gerade mal zur Ruhe.
Ungemüse
Smoke on the water
Osternest
Eigentlich sollte ich ja in Italien sein. Aber da es dort seit einer Woche Bindfäden regnet, habe ich mich entschieden, zu Hause den Regen zu geniessen. Vor ein paar Tagen musste ich es ganz schön büssen, hei war das kalt, und gerade, als ich mit dem Velo losfuhr, fing es an zu schiffen, selbst ein Stopp im Laden half nichts.
Papagei
Herz
Nun sitze ich auf einem schicken Holzstuhl in der Confiserie Bachmann, habe noch kurz gedacht, ob ich mir nicht einen eleganten Sessel im Trois Rois gegenüber gönnen soll, aber das beste Schoggiweggli und die beste Faschtewaie der Welt gibt’s nur hier und hat mich sofort die Polsterung vergessen lassen. Zudem sitzt es sich hier gesünder als so eingefallen im Sessel.
Weiss
Nun sitze ich wieder einmal auf meinem Sofa, blicke auf die alte Bernina Nähmaschine auf meinem Esstisch und bin ganz stolz, dass sie da steht, und dass das schon seit über einem Jahr zu flicken Angestandene endlich geflickt ist. Die Nähte meines eigentlich relativ neu erstandenen, sündhaft teuren Support-the-local-dealer-bayrischen-Loden-Reiteroutfit.
Spinnennetz
Nigginäggi
S‘het Schnee Bro!
Prinzessin
Wann haben sie zuletzt die Haare einer Puppe gekämmt? Ich sass heute Sonntag Morgen früh, nach zwölf Stunden Erschöpfungsschlaf, auf meinem Sofa und kämmte die Haare der Kasperlifiguren-Prinzessin. Denn, obwohl wir gestern ihre Haare kurz vor ihrem Einsatz zurecht gestrichen hatten, sah sie bei ihrem Auftritt aus, als ginge sie an ein Punkkonzert. Hier sei erwähnt, dass sie zudem noch Brünette ist, was den Teenager-Girls gar nicht passte. Sie wollen eine blonde Prinzessin mit langen Haaren. Und einem schönen Kleid. Diese Prinzessin sei dunkelhaarig, zerzaust und hätte noch einen Zahnpastafleck auf ihrem fürchterlich langweiligen gelben Kleid. Mein Einwand mit dem klischeehaften Argument galt nicht. Oder zumindest vorerst nicht. Am nächsten Tag, brachte ich die blonde Prinzessin mit, leider auch mit zerzaustem Haar und erst noch einem Pagenschnitt. Das ging schon gar nicht: „Wiene Bueb“. Zweites Klischee. Dann fanden sie, dass die Prinzessin doch dunkel sein darf, aber lange Haare müsse sie haben. Zudem hatte die blonde keine echten Haare wie die Brünette, sondern Fädeli-Haare und ein zwar fleckenloses blaues Kleid, welches aber bei dem blau angemalten Theater eher zur Camouflage verhalf. Also doch brünetter Punk mit Zahnpasta Fleck.
Die Auserwählte musste sich natürlich bei jedem Auftritt entschuldigen, dass sie keine Zeit hatte zum Haare Kämmen. Jetzt, mit den gekämmten Haaren, muss sie sich in Zukunft nur noch für den Zahnpasta-Fleck entschuldigen. Der ging nämlich heute nicht weg.
Auch die Fädeli-Haar-Prinzessin wurde gekämmt. Interessanterweise ist der Pagenschnitt original, sie ist die echte Prinzessin, es sind Lotte Sievers Hahn Puppen, und Website erklärt mir weiter: Die Brünette ist die Königstochter. Heieiei. Zum Glück habe ich sie heute ein bisschen zurecht gemacht. Die arme! Und gelernt habe ich auch was. Sind also die Prinzessinnen blond und die Königinnen-Töchter brünett. Was ja auch eine Prinzessin ist, aber eine direkte Tochter des Königs.
Der Grund, warum unsere Prinzessin überhaupt so wichtig war, war nämlich der Gedanke, dass in den Märchen die weiblichen Protagonistinnen mit Ausnahme der Fee entweder doof, eingesperrt, eingeschlafen oder böse sind, und nur die männlichen Protagonisten Helden sein können. Da ich aber unter Zeitdruck stand und nur sympathische weibliche Puppen mit montierter Krone besass, oder das Rotkäppchen, musste die Prinzessin Carla her, so heisst unsere Heldin. Sie durfte das ganze Theater ansagen und ihre Blockflöte dem albernen Kasperli ausleihen, welcher so dumm tat, dass ihm das Instrument zuerst verzaubert und dann auch noch gestohlen wurde. Zum Glück gab es liebe Tiere und das grandiose Publikum, bestehend aus Kindergärtnern und PrimarschülerInnen, welche dem Kasperli halfen, alle Aufgaben zu lösen, damit er die ausgeliehene Flöte wieder spielbar zurückbekam. Den Kasperli fanden die Kinder besonders doof, vor allem, als er der Königstochter Carla erzählte, er habe ganz brav damit gespielt. Lügen geht gar nicht. Aber wie Mädchen so sind, gutmütig und hilfsbereit, um jetzt da mal ein positives Klischee aufrecht zu erhalten, hat Carla ihm sogar noch Unterricht bei ihrem Vater, dem König angeboten. Ich frage mich gerade, wie dies das Publikum fand. Immerhin war alles wieder gut und alle waren zufrieden im Märchen. Das könnte dann die Kinder auch beruhigt haben.
Nun sollte aber mein nächstes Märchen noch ein bisschen mehr Klischee frei werden. Der Teufel soll böse bleiben, die Hexe auch, aber die Carla mit Zahnpastafleck hat immerhin die Zähne geputzt, was der Hexe in ihrer Jugend fehlte, darum hat sie ja auch so fürchterliche Zähne. Aber Heldinnen wie Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter sollten auch im Kasperlitheater mehr Vorbild sein.
Kommt Zeit kommt Carla!















