Ungemüse

Nun sitze ich in der Küche am Fenster im Eggli auf dem Sessel, mein neues Lieblingsplätzli, und bin an meiner Quiche oder schweizerisch ausgedrückt: Gemüsewähe verdauen. Heieiei war die gut. So gut wie sie aussah. Ich muss mich jetzt grad zweimal loben. Denn normalerweise sehen meine Wähen eher aus, als ob sie mir vor dem in den Ofen schieben runter gefallen wären, weil ich meist die Geduld nicht habe, den Belag fein säuberlich drauf zu legen. Hopplahopp muss es gehen.

Aber dieses Mal gab ich mir sehr Mühe. Umso verwunderlicher, denn, alle die mich kennen, werden jetzt gleich den Gemüse-Namen zweimal lesen: Ich habe (eine grosse) Zucchini verwendet. Ja Zucchini, recht gelesen, das von mir als langweiligstes Gemüse überhaupt erkoren. Interessanterweise wird das Wort im Deutschen selbst im Singular noch in Pluralform verwendet, was wohl davon kommt, dass man im Sommer regelrecht überschwemmt wird von diesen Dingern. Eine Pest sozusagen.

Also was tun, wenn im Gemüseabo letzten Mittwoch ein besonders riesiges Exemplar dieser Sorte beiliegt? Fast hätte ich es meiner Nachbarin verschenkt, aber ich entschied mich, dem Un-Gemüse noch eine letzte Chance zu geben.

Ich kaufte einen Bio-Blätterteig und schnitt mit meinem neuen japanischen Messer zeremoniell das Ungetüm in Rädli. Damit aber das nach nichts Schmeckende was hergibt auf diesem Teig, dünstete ich Zwiebel und viel Knoblauch an, noch ein weeneli Chili-Flocken dazu, verteilte es auf dem Teigboden, zerrieb die Hälfte eines Fetakäses darüber und legte die Zucchini-Scheiben fein säuberlich in Rosettenform drauf. Eine grosse gelbe Bio-Tomate wurde noch zurecht geschnitten und dazwischen gesteckt. Hübsch sah es aus, und so kam es in den Ofen. Kurz vor dem Ende gab’s noch ein Teigli mit Eiern, e bitzeli Rahm, nochmals so viel Feta, Oregano aus Kreta und schwarzem Pfeffer drüber. Ich war gespannt. Und siehe da: Fast die Hälfte habe ich im Nu weggeputzt, so fein war sie! Jetzt bin ich am Beine ausstrecken, sozusagen im Sessel liegend, und der Gürtel musste auch aufgemacht werden. Mein Gaumen spür ich, zu schnell habe ich die heisse Pracht gegessen. Morgen gibt’s da sicher Blasen. Gaumenblasen von der Gaumenfreude.

Langsam wird es zu ungemütlich auf diesem Sessel, das Sandmännchen ist auch nicht im Ausgang, und so werde ich langsam unter mein Moskitonetz kriechen und von weiteren spontan-guten Zucchini Rezepten träumen.