Ich liege hier im Erlenwald in der Hängematte an einem Bächlein unweit der Wiese mit Freunden. Es geht ein Windlein, das Bächlein plätschert, die Blätter rauschen und die Vögel zwitschern. Es ist grad die beste Lösung, um diese Wüstenhitze zu ertragen. Heisser wie in Kairo seit zwei Wochen. Ob die wohl bald in ihrer Umgebung skifahren können und dafür bei uns die Dattelpalmen wachsen und Kamele darunter verweilen werden?
Bis dahin müssten wir hier aber noch lernen, uns der Hitze anzupassen und nicht unser busy Tagesablauf durchzuziehen und gleichzeitig über die Hitze klagen. Kann doch Herr und Frau Schweizer es nicht lassen, nicht alles erledigt zu haben, inklusive dem Wochenende-Aktivitätsprogramm. Anstatt das Velo bis zum nächsten Gewässer zu bewegen und dort stehen zu lassen, um gemütlich den Tag in der Horizontale zu verbringen, werden in der Sauhitze die obligaten Kilometer abgefahren. Zudem Abendessen und Anlässe konsequent zu schweizerischer Uhrzeit abgehalten werden. Egal ob 39 Grad. Das Schul- und Arbeitsprogramm wird plangemäss durchgezogen. Hitzefrei wurde abgeschafft. Die Mittagsruhe auch. Haben doch die Damen und Herren der Chefetagen klimatisierte Räume und das Geld häuft sich digital ohne jeglichen Transport auf ihren Staats-und Bankkonten. Das eidgenössische Jodelfest in Basel dieses Wochenende hat nach Plan stattgefunden, egal ob frau und man im Festzelt in Trachtenmontur kollabieren. Wo kämen wir denn hin, würden wir am Sonntag nicht um 18 Uhr fertig sein, damit am Montag wieder alle frisch zur Arbeit erscheinen können, um schweizerisch fleissig zu sein?
Heute Mittag packten mich auch meine Schweizer Gene: Ich musste mein Schlafzimmer staubsaugen. Es sei zu erwähnen, dass die Putzhilfe in meiner letzten Abwesenheit den Staub unter meinem sehr tief gelegenen Bett gewähren liess. Langsam aber sicher flog mit dem nächtlichen Lüften nicht nur Papier, Blätter und Blütenstaub durch die Wohnung, sondern auch richtiger Staub. So nahm ich den Staubsauger hervor und saugte mühsamst in allen Ecken, Zwischenräumen, Höhlen und Spalten. Selbst das Moskitonetz wurde abgesaugt. Der Schweiss rann nur so an mir runter. Mein Körper schrie nach Vernunft, aber ich zog es schweizerisch durch. Arbeit vor Vergnügen. Dafür bin ich jetzt ohne schlechtem Gewissen, schweizerisch korrekt, am Ruhen. Ab und zu lege ich mich ins Bächlein, um dann weiter in der Hängematte zu liegen und den rauschenden Blättern in den Bäumen zu lauschen.
Leider, oder vielleicht auch nicht leider, werden die Temperaturen morgen wieder schweizerisch ausgeglichener und es gibt keinen Grund mehr, unsere Gewohnheiten zu verändern. Somit alle Hitze-Anpassungen hinfällig würden.
Aber vorerst geniesse ich jetzt noch die Wüstenhitze im Wald in der Hängematte zu schon unschweizerischen sonntäglichen Uhrzeit. Der Buchfink singt von den Bäumen und das Bächlein plätschert weiter seinen Lauf. Und bald werde ich höchstwahrscheinlich sowieso von den attackierenden Stechmücken, pünktlich zum Sonnenuntergang, zum Aufbruch getrieben.
