Habe ich doch gerade noch gesagt, die Schweiz spiele langweilig, wirbelten die mit dem Fussball über das Feld und trafen viermal. Da freuen sich all die Schweizer Fussballfans. Und sogar hier in Saint Louis hat man bei den Toren ein Jubeln vernommen. Den Schweizern sei Dank, steigen die jetzt nicht alle in ihr Auto ein und hupen sich durch das Zentrum von Saint Louis wie sonst alle Nationen. Sondern die grosse Menge geht jetzt brav ins Bett und einige FC Basel Fans gehen sich mit der Gegenpartei schlägern. Spass bei Seite, ich bin auf jeden Fall froh, ist hier Hupstille angesagt.
Ich selber bin auch still gelegt, besser gesagt still gelegt worden. Per ärztlicher Verordnung. Sieben Tage. Und erst noch in der Artbasel Woche inklusive Weekend. Sapperlott! Da half das Schweizer Wasser nicht zur Kühlung meiner Nerven. Da brauchte es ein Dökti oder besser eine junge Ärztin, welche mich zwangsstilllegte. Um Nerven und Herz zu schonen. Das beste was mir je passieren konnte. Denn selbst wenn ich jetzt schon Ferien hätte, würde ich da und dort und hü und hott und die und der und rauf und runter. Jetzt aber darf ich nichts. Ausser Notwendiges gemütlich. Nicht schnell einkaufen sondern gemütlich. Nicht noch schnell zu Serafino sondern ohne Eile hinradeln und mir die Zeit nehmen seine Nase zu kraulen. Ruhig noch was essen und völlig entspannt die Küche machen. Ohne schlechtem Gewissen ein Buch lesen und keine Einladung annehmen geschweige denn bei mir einzuladen. Keine Sausen und keine Apéros. Rämmidämmi gibt es ohne mich, ich liege auf der anderen Seite unter dem Bäumchen am Rhein in Huningue im Schatten und sehe den Schwänen zu anstatt den vier Schweizer Toren. Kunst ist Nebensache, diese Woche liegt die Kunst im faul sein und desinteressiert. Mich nicht ärgern ist die Devise, was gar nicht einfach ist, und mir keine Sorgen zu machen. Don’t worry be happy.
Sollen die Betrunkenen da unten rumschreien und die jungen Männer wie die Idioten nachts mit heulenden Motoren durch Saint Louis rasen. Mir ist das schnurz. Ich stelle mir einfach vor ich sei in Paris oder in Rio, und dann ist alles relativ.
Und das beste ist: Es ist herrliches Hochsommerwetter. Da läuft einem der Schweiss nur so runter und möglichst wenig anhaben ist angesagt. Es wird zwar viel geklönt aber trotzdem sind alle guter Stimmung und völlig gelassen.
Was will frau mehr?
