Ich liege auf dem Sofa und draussen windet und schneit es. Eigentlich wollte ich meinen schon seit vier Tagen angefangen Text hochladen, aber durch das immer wieder Nachkorrigieren, mehrheitlich vom Präsenz in die Vergangenheit, da ich immer wieder darüber einschlief, wurde der Text zu zerstückelt und langweilig, dass er jetzt zwar hochgeladen, aber im „Entwurf“ gelandet ist. Wäre er auf Papier, wäre er wohl zusammengeknuddelt in den physischen Papierkorb geworfen worden. Oder daneben, meine Treffsicherheit liess schon immer zu wünschen übrig.
Apropos physisch: Gestern bekam ich eine Digital-Krise. Die bekomme ich ehrlich gesagt immer wieder, seit es das Digitale überhaupt gibt. Weigerte ich mich doch lange bis zur ersten Anschaffung eines CD Gerätes. Mein Plattenspieler und seine Staub-und Kratzer-Nebengeräusche waren mir heilig. Diese lupenreine Musik war viel zu unnatürlich. Später dasselbe mit der Kamera. Diese eckige Auflösung und die übertriebene Schärfe war mir zuwider. Auch dem Smartphone gegenüber war ich stets feindselig gesinnt. Musste man denn alles sofort nachsehen können? Geht nicht auch eine papierene Wander- oder Strassenkarte?
Nun war mein gestriger Groll der KI gewidmet. Bin ich doch eine der letzten Mohikanern und lud mir mit gesenktem Haube endlich ChatGPT runter. Scheinbar gehe es mit Stimme besser und man könne Gespräche führen. Speziell gut um Fremdsprachen zu lernen. Nun musste ich die Stimme wählen. Frauenstimme soundso, Männerstimme soundso, eine Auswahl von Stimmen mit esoterischen Namen. Nach der Wahl wurde ich begrüsst, so was von schwulstig, das war mir zu viel, und mich überfiel plötzlich eine innere Rebellion und ein Groll. Wie bescheuert ist es denn eigentlich, mit einem Gerät zu kommunizieren und so zu tun, als ob es das natürlichste der Welt ist? Sind wir noch bei Sinnen?! Ich hätte am liebsten das iPhone aus dem Fenster geworfen. Besann mich dann aber noch mal und legte es sanft zur Seite, stand auf und las in meinem vor ein paar Tagen angefangenen Buch weiter. Das Papier in meinen Händen hatte eine beruhigende Wirkung. Es war, als ob es meine Sinne anregte, die Wut wie Feuchtigkeit aufsog und in Buchstaben verwandelte. Zudem war der Text sehr lustig geschrieben und mit dem ersten Lacher war ich wieder normal gestimmt.
Wäre ich doch gerne mit Stift und Papier am meine Texte schreiben, es würde meinen Sinnen und meiner verlorenen Handschrift sicher gut tun. Doch gefällt mir das Digitale dafür wieder ungemein, gerade mit dem Smartphone. Kann ich doch korrigieren, löschen, ausschneiden, schieben, rücken, … ohne dass es danach verkafelt aussieht. Im Liegen, im Sessel, im Dunkeln. Ist der Text fertig, ist er zack kopiert und hochgeladen. Ach ach. Digitaler Zwang
Apropos hochladen: Das werde ich jetzt auch mit diesem Text tun. Und dann versenden.
