Marsa Alam

Vor ein paar Tagen war ein Tag mit fischen am Meer angesagt. Also für mich zum Mitfahren, die Umgebung geniessen, schnorcheln und dann zum Lunch den Fang mitessen.

Wir standen um fünf Uhr auf und packten unsere sieben Sachen für den Strand. Dann kam das Telefon, der eine Fischer sei noch am schlafen, somit die von ihm versprochene Beilagen zum Fisch wir selbst organisieren müssten. Also packten wir zu den sieben Sachen noch ziemlich alles aus der Küche ein, was wir fanden inklusive Geschirr, Besteck, Pfannen und Gewürze, dann wurden wir abgeholt. Den Resten wie Holzkohle, Getränke und Falafel zum Frühstück wurde noch kurz eingekauft. Kaum wieder im Auto sitzend, tauchte doch noch der verschlafene Fischer auf. Und los ging’s. Eine Stunde der Küste entlang Richtung Süden. Dann über Sand, Schutt und Steine zu einem der vielen Sandbüchtchen. Während die zwei Sportfischer sich ihrem Equipment widmeten und langsam, ausgerüstet, im seichten Wasser Richtung Riff stiegen und zu angeln begannen, machten wir uns auf den Weg mit unserer Bade- und Schnorchelausrüstung Richtung „Strandparadies“. Eine halbe Stunde zu Fuss, hiess es. Und pünktlich um 13 Uhr müssten wir zurück sein, denn dann wäre das Essen parat.

So spazierten wir von Sandbüchtchen zu Sandbüchtchen. Niemand war anzutreffen. Es war herrlich.

Nur mussten wir feststellen, dass die halbe Stunde Weg von Autofahrern angegeben wurde, die wohl diesen Weg nie begangen sind, geschweige denn sich nur eine Sekunde Gedanken gemacht hätten, dass man mit Flipflops oder Barfuss durch den Sand und knöcheltiefes Wasser spazierend, alles bestaunend und fotografierend, viel langsamer unterwegs war. Und wir somit dreimal länger hatten. Mit meinem selbst gemachtem Sonnenöl war meine Haut in praller Sonne ein wenig überfordert, der starke Wind windete meine mich schützenden Tücher in alle Richtungen, dass ich irgendwann mein Surfshirt anzog, um Ende des Tages nicht überall wie eine Crevette auszusehen. Meine Flipflops waren für dieses Unternehmen auch nicht ein sehr hilfreiches Schuhwerk. Auf halbem Weg entschieden wir uns, oberhalb der Büchtchen auf den Sandklippen zu wandern. Rauf und runter über Stock und Stein. Mit einem herrlichen Blick auf der einen Seite in die Berge und auf der anderen das tobende Meer.

Die Strapazen haben sich gelohnt, der uns versprochene Traumstrand war atemberaubend. Weisser Korallensand, türkisfarbenes Wasser. Ein Paradies. Das Korallenriff ausserhalb gut erreichbar. Nichts als Sand und Meer.

Ein paar reiche ägyptische Familien mit ihren chicen Wüstenfahrzeugen und feinstem Equipment waren da am wild campen. Ich war gerade ein bisschen neidisch.

Im feinsten Sand wanderten wir dann am Strand entlang Richtung Riffeinstieg, welcher sich hinter einem Felsen versteckte. Auch Sonnenschirme (immerhin hübsche) tauchten hinter diesem Felsen auf, eine kleine Strandbar und dahinter ein Parking. Und natürlich zahlreiche Leute, hauptsächlich Italiener, genossen den schönen Strand. So war fertig mit Einsamkeit.

Ich packte meine Schnorchelausrüstung und entschwamm in das Reich der Fische und Korallen.

Wie leider überall in dieser Welt und jetzt auch am Roten Meer, leiden die Korallen an zu warmem Wasser, zu vielen (unerfahrenen) Touristen inklusive respektlosen Instruktoren, zu viel Sonnencremes, zu vielen schlecht befestigteren Booten und auf den Korallen rumspazierenden Fischern. Somit 95% der Korallen hier weiss und kaputt waren. Ein Jammer. Aber trotzdem gab es noch zahlreiche Fische zu entdecken, Schildkröten und auf meinem Rückschwumm sogar einen Riffhai. Ein weeneli unheimlich war mir schon, als mir da dieses graues Wesen entgegen schwamm. Hat es in dieser Gegend doch auch beissige grössere Haie. Und man weiss ja nie. Zurück am Strand, mich unter einen Sonnenschirm von der Sonne rettend, verkündete ich meine Begegnung auch nur ganz leise, denn das Wort „Shark“ kann gerade bei Italienern zu Panik führen. (Vor einem Jahr meinten zwei italienische Schnorchler trotz Warnung es besser zu wissen, wurden prompt von einem Tigerhai angegriffen starben an den Verletzungen.)

Zwar hätte ich dann den Strand für mich alleine gehabt, aber dafür die Einheimischen an der Gurgel.

Zudem war es Zeit, zurückzukehren, da die Herren Sportfischer uns ja den Lunch versprachen. Für den Rückweg zu Fuss reichte es nicht mehr, dazu meine Füsse auch nicht mehr mochten, aber unser Fahrer das Telefon nicht hörte, weil er wohl im Auto schlief, liessen wir uns zurück fahren. Hei hatten wir Hunger.

Mit voller Vorfreude erreichten wir das Sandbüchtchen. Doch kein Räuchlein war zu erblicken, die Fischer waren immer noch am Fischen oder am Fische säubern, somit kein Feuer, kein Reis, kein Salat, kein nichts. Ein Pack Chips rettete meinen Magen und ich bestaunte den Fang. Mit Helfen war auch nichts. Hier galten ägyptische Regeln, ich war ja schliesslich mit Männern unterwegs. Einerseits genoss ich somit das Prinzessinnen Dasein, andererseits fühlte ich mich das „fünfte Rad am Wagen“. Hat man da bei ägyptischen, europäisch angehauchten Outdoor- und Sportmachos nichts zu melden, sondern zuzuhören und zu bestaunen. So sass ich da und malte, mein Bauch grummelte, und die Zeit verging. Das Feuer wollte nicht, der Reis auch nicht, und überhaupt… Bis plötzlich dann, kaum fing ich an diese Zeilen zu schreiben, schon jede Hoffnung aufgebend, je hier mal was von dieser Männermannschaft gekochtes zwischen die Zähne zu bekommen, um 17.30h alles bereit stand, inklusive den frischen herrlichen Fischen. Wir alle hatten so Hunger, gesprochen wurde wenig, ich kam mir vor wie inmitten eines hungernden Strassenhunderudels. Im Nu war alles fertig gegessen. Und noch bevor der letzte Bissen runter geschluckt war, wurde auch schon Hü zusammengepackt. Die Fischer-Herren hatten es eilig. Schwuppdiwupp war alles im Auto und los ging’s.

Zu Hause angekommen, trugen wir unsere nach Fisch stinkenden Küchenutensilien in die Wohnung und ich durfte dieses Mal echtes Prinzessinnen Dasein geniessen. Währenddessen der Herr in der Küche das Geschirr und die Pfannen von Russ und Fischgestank befreite, kümmerte ich mich um meine zum Teil verbrannte Haut und meine geschundenen Füsse.

Und danach fielen wir beide erledigt ‚in a tüüfa gsunda Schlaf‘.