Chueli

Nun sitze ich im Zug. Mein Klimbim; Velo, Packtasche, Rucksack, Lederjacke, Mantel, Skihandschuhe, Kappe, Ohrenschoner und ich nehmen gerade den Platz von ganzen vier Sitzen in Anspruch.

In Aarau, ich fahre nicht Richtung Basel sondern Richtung Innerschweiz, stieg ein Teenagergirl im Töffli-Look in unseren stillen Abteil zu, nahm ihr Handy und telefonierte mit lauter Stimme: „Hoi du, ich ha mer es Chueli kauft!“. Ich fragte mich sofort, ob das vielleicht ein neues Gadget ist oder ein Codewort der ländlichen Jugend. Oder ein Accessoire. Oder vielleicht was für ihr Töffli? Nun ging aber das Gespräch in dieser Lautstärke weiter mit Themen wie Heu, Kosten, Futter, Ballen etc, sodass uns unfreiwilligen Zuhörer schnell klar wurde: Diese Junge Frau hatte sich heute eine junge Kuh gekauft und möchte wissen, wo und wie sie sie mit ihren bescheidenen Finanzen am besten überwintert. Nun, ich habe noch nie eine junge Dame im Zug am Handy gehört, laut über einen Kuhkauf und deren Zukunft zu sprechen. Geht es sonst in Teeny-Gesprächen meist um Schule, Hobbys, Schönheit, Jungs oder „die hat das dort über den gesagt“.

Und irgendwie kam in mir das Gefühl auf, mich doch endlich mal in der richtigen Schweiz zu befinden. Welcome to Switzerland. Joloradiuuuuuu! So wie man die Schweiz nach aussen verkauft: Kühe, Berge, Schokolade. Wo ich hingegen als Baslerin eher mit Roche, Novartis und Uelibier konfrontiert bin. Fehlt uns doch so ziemlich alles, was die sogenannt „schöne“ Schweiz auszumachen scheint oder müsste.

Die Vogesen und der Schwarzwald, unsere Basler Hausberge, stehen über der Landesgrenze, dort sind auch ein paar Kühe, die „Charolais“ im Elsass, und tief im Schwarzwald, hinter dem Esel vom „Santiglaus“, irgendwelches Fleckvieh.

Schokolade habe wir auch, aber sind wir doch eher zur schwarzen Schokolade oder Pralinen hingezogen, welche definitiv nicht zum Schweizer Image gehören.

Und hier kauft man sich eher „e Bigger“ (= ein Pferd ) und hält es auch über der Landesgrenze. Da ist das Heu häufiger und billiger als in Basel. Im Gegensatz zum Chueli ist aber nicht der Lohn wegen dem vielen Heu, welches auch ein Rössli zu Mengen frisst, am schrumpfen, sondern von den vielen Tierarzt Rechnungen. Vielleicht hätte ich mir doch besser ein Chueli gekauft und hätte eventuell noch einen Batzen dazu verdient mit seiner Milch.

Aber wenn dann der Serafino mir entgegenwiehert, wenn ich komme, dann ist mir jeden Batzen recht, und das eventuelle Muh und die Milch kann mir gestohlen bleiben.