Ich liege erschlagen im Bett. Gestern war mein Geburtstag. Es ging aufwärts mit der Nummerei wie jedes Jahr. Ich will jetzt in meinen eher doch jüngeren Jahren der zweiten Hälfte des Lebens nicht wirklich klagen, aber e weeneli darf ich schon. Ich fühle mich nämlich, als hätte ich gestern ein paar Dutzend Gäste bei mir bewirtet, wie gewöhnlich die letzten Jahre, aber es waren nur ein Hämpfelein. Ich war zu müde für eine grosse Party und habe das Feiern auf verschiedene Tage verteilt. So weit bin ich schon.
Da ich aber prinzipiell gerne Geburtstag feiere, ist das ja eigentlich fast noch ein Schachzug. Und ich könnte, je mehr Nümmerli dazu kommen, fast jeden Tag mit einer Person feiern. So würde ich sozusagen gar nicht mehr merken, wann die nächste Ziffer folgt. Und die Nummerierung wäre hinfällig. „It’s just a number.“
Warum wir überhaupt zählen? Längen, Zeit, Geschwindigkeit, Gewicht, Besitz, Mitglieder, Einwohner, Ausländer, Planeten, Galaxien, sogar nicht mehr Zählbares zählen wir mit unendlich viel, unendlich gross, unendlich lang.
Wie mir gerade auffällt; sogar erzählen enthält dieses Wort. Es komme vom Mittelhochdeutschen ‚erzel(le)n‘ , (der Reihe nach) aufzählen, berichten von Gescheh- und Ereignissen.
Und während ich da so schrieb, zählte mein Unterbewusstsein, so weit sind wir schon mit der Zählerei, Schäflein und ich entschlief.
Was ich noch gar nicht erzählt habe, ist, dass nach meinem Nullbock-Schlaf mein Rücken auch noch zu rebellieren anfing. Als ich mich nach dem Schläflein doch endlich zum Staubsaugen zwang, schwungvoll durch die Wohnung saugte, „Peng“ eine kleine Hexe mir einen Streich spielte, mein Rücken seufzte und ich jammerte. Nun war nix mehr mit Velo fahren, und Serafino hatte für ein paar Tage definitiv seine Ruhe.
Dafür tauchten meine Ohrenschoner-Kätzchen wieder auf. Beziehungsweise ich kehrte zum Arbeitsplatz zurück: Und da lagen sie. So fuhr ich gestern, knapp eine Woche später, mein Rücken wieder enthext, inklusive Kätzchen auf meinen Ohren durch die Kälte zu Serafino, welcher dieses Mal von weitem auf der Weide zu mir hin und mit mir mit kam. Die Welt war wieder in Ordnung.
Hab ich noch vergessen, was zu erzählen?
