Nun sitze ich auf meinem Sofa und tu den heutigen Frauenwelttag revuepassieren. Es schien die Sonne, das ist ja schon mal positiv. Und abstimmen ging ich auch. Das ist noch positiver. Es gab schon eine gewaltige Schlange vor dem Ratshaus als ich ankam, aber als ich rauskam, da standen die Abstimmungsfreudigen bis Mitte Marktplatz. 55%, sah ich soeben online, war die Stimmbeteiligung. Vielleicht war es die Sonne, die uns Stimm-Muffel aus dem Haus lockte. Denn oft, ich bin ehrlich, gehe ich nicht abstimmen, weil Basel sowieso so abstimmt, wie ich es würde. Ich müsste also eher einem der Innerschweizer Kantone meine Stimme geben, um da mal dem konservativen Tenor den Marsch nach links zu blasen. Den Frauenmarsch!
Nach einem Kaffee plus Zimtschnecke mit meiner Freundin in der Sonne gab’s dann Salat zu Hause und darauf schwang ich mich aufs Velo Richtung Serafino. Die Sonne schien herrlich, wenig Autos waren unterwegs. Ich radelte durch Hesingue auf der Strasse, weil der Veloweg zwar sehr luxuriös aber eher gefährlich ist, da zwischen parkierenden Autos und Trottoir meist Fussgänger, Hunde, Kinder und aus den Privathäusern rein- oder rausfahrende Autos nicht aufpassen. So fuhr ich also auf der verlassenen Strasse 28km in der 30er Zone, da kam von hinten ein hupendes Auto an mir vorbei gefahren, das Fenster wurde geöffnet und der Fahrer schrie: „Velowäääg!“
Heimatland, zu schnell aber rumschreien, na Bravo. Ich sah ihm nach, wie er einige Schleichwege nahm um nicht den für Autos obligatorische Umweg fahren zu müssen und erblickte ihn ein wenig später in einer Parallelstrasse sein Auto parken. Das kam mir gerade gelegen u ich fuhr hin und rief „Hallo, du fährst zu schnell und reklamierst?!“ Ich kam aber nicht weiter, da stieg ein Riese aus mit einer mehr als gefürchigen Fresse, mir wurde grad e weeneli gschmuuch. Mit einem Schweizerdeutsch musste ich mir dann anhören, dass wir nicht duzis sind. Danach ging’s mit „Français Fédéral“ kurz noch normal weiter und plötzlich schrie er « vas chier p’tit pute ». (Man bemerke seine Sprachkenntnisse in zweierlei Hinsicht) Und zwar viele Male. Zum Schluss fasste er sich noch an den Sack und ging zum Haus, weiter schreiend und nach seinem Schwanz greifend, schloss die Tür auf und verschwand. #metoo ging mir durch den Kopf und ich rief: Happy woman’s day!
Zum Glück war Serafino in guter Stimmung und unser langer schöner Abendspaziergang besänftigte mich wieder ein bisschen.
Doch wenn ich hier noch so die News durchlese inklusive die skandalöse Epstein—Fall-Aufklärung, dann liebe Leserinnen und Leser, weiss ich im besten Willen nicht mehr, wohin mit meinem Frauen-Hirn. Irgendwie scheint diese Männerwelt so was von durch und durch und absolut daneben zu sein. Schlimmer geht‘s nimmer! Shame on them!
Und wer es noch wagt zu sagen, wir Frauen hätten es besser wie früher: Augen auf: NEIN! Leider nicht.
So sei doch zu diesem Weltfrauentag zu sagen: Es ist noch ein langer Weg!
Auf auf!