Als ich Kind war, liebte ich das Geräusch der ‚Stöckelischuhe‘ meiner Mutter. Die knirschenden Ledersohlen auf dem Asphalt liessen mein Herz höher schlagen. Am schönsten war das Geräusch, wenn, der Asphalt noch leicht feucht, ein wenig Sand oder winzige Steinchen darauf lagen.
müde
Ich frage mich langsam, ob ich in einer Depression odes so was ähnlichem stecke. Denn es ist Freitag Abend oder sogar schon Nacht, und ich liege seit siebzehn Uhr, nein nicht auf dem Sofa, noch schlimmer: Im Bett. Ein weeneli geschlafen habe ich auch. Eigentlich als Pre-Siesta gedacht. Aber ich ahnte schon bevor ich mich unter der Decke verkroch, dass ich es nicht mehr hervor schaffe. Höchstens um meinen Magen zu bändigen.
Ich hätte an ein Konzert gehen wollen, es wäre auch eine Party mit all meinen Freundinnen in vollem Gange, mein Mann an meiner Seite hätte mich auch gerne an seiner Seite gehabt, … Aber ich war und bin nur müde im Bett geblieben. Und da bin ich immer noch. Wie gesagt, ein kurzer Gang Richtung Küche und zurück. Schon nur der Gedanke, die Haustür zu öffnen und in die Kälte zu treten, liess in mir einen Schwall von noch mehr Müdigkeit aufkommen. So kroch ich wieder ins Bett zurück.
Mein Motto ‚wenn ich tot bin, kann ich noch genügend schlafen’ scheint momentan ganz und gar nicht zu passen. Vielmehr habe ich den Eindruck, dass das Leben an mir vorbeizieht, wie eine Lokomotive, und ich mag nicht mit einsteigen. Ich bin ganz wohlig auf dem leeren Peron. Am Bahnhof zurückgeblieben. Ohne Wehmut. Sondern mit Gemütlichkeit.
Bei dem Wort kommt mir gerade Balu, der Bär in den Sinn. Der ist jetzt wohl auch am Schlafen. Bären machen es richtig. Die verkriechen sich, wenn’s kalt wird und kommen wieder hervor, wenn’s warm wird. Nun, da kommt mir wiederum in den Sinn, dass ja bei uns alle Bären ausgerottet wurden. Und sobald wieder einer es wagt, seine Pfoten aus dem Ausland über die Grenze zu setzen, wird er alsbald mit Schrot in den ewigen Schlaf befördert. Arme Bären.
Der Gedanke an diese Ungerechtigkeit macht mich gerade noch mehr müde. Allgemein machen mich Ungerechtigkeiten müde. Und deren gibt’s momentan viel zu viele auf dieser Welt.
Somit verabschiede ich mich von diesem Lebenstag und wünsche allerseits : Gute Nacht.
Hurler
Federkohl
Vernunft
Unglück
Glück
Lahmacun
Joggen
Knoten
zuviel
früher-heute-morgen
Früher
Pendeln
Frequenz
Positive Mindset
Nun musste ich mal diesen Hebel bewegen. Oder anschalten. Oder besser umschalten. Von sieben Tagen Regenwetter zu Sonne. Denn es ist, war und bleibt sonnig. Zumindest draussen. Warum also Trübsal blasen? Beziehungsweise blase ich ja eher Blockflöten, doch meine Hormone spielen seit Monaten verrückt, es können nur die sein, denn meine Blutwerte sind optimal. Genug Eisen, Vitamine und meine Schilddrüsen funktionieren wie eine Eins. Nur eben ist mit 51 Jahren auch nicht mehr alles so wie mit 27. Also können es nur die Hormone sein. Und nein, ich will keine schlucken. Somit bot ich meinem Gejammer die Stirn und schaltete den Hebel um: Freude herrscht. Positive Mindset nennt man das. Oder auf Deutsch: Positives Denken. Tönt aber nur halb so cool.
Normalerweise sind mir diese „alles ist wunderbar“, „lass uns die Welt umarmen“, „nur noch farbige Kleider anziehen“ - Menschen mehr als suspekt. Denn denen ging’s wohl genauso grundlos verschissen wie mir, aber Zack! Love is in the air!
Bei mir ist gerade Zigarettenrauch in the air. Ich habe nämlich vor lauter guter Laune nach den feinen Spaghettis, meine Lieblingsspeise, eine Zigi geraucht. Das steht jetzt auch auf meiner Gute-Laune-Mindmap. Ich habe mir seit gestern vorgenommen, jeden Abend aufzuschreiben, was am vergangenen Tag alles schön war. Dafür habe ich eine Mindmap-App benutzt. Farbenfroh mit Bubbels.
Denkt jetzt ja nicht, ich habe eine an der Waffel. Das hatte ich vorher. Aber so was von. Ich habe mich selber nicht mehr erkannt. Dann sind so ein paar farbige Bubbels gerade Peanuts.
Wie es mir geht? Grandios. Ich wollte soeben schreiben, ich könnte Bäume ausreissen. Aber ehrlich gesagt überkommt mich gerade eine Müdigkeit, wohl vom vielen positiven Mind setten. Und mir fällt ein, ich muss noch die Wäsche aufhängen und die Küche machen ….. uff. Bevor ich zu klönen beginne, stehe ich wohl besser auf und freue mich schon jetzt über die danach getane Arbeit.
Ojemine. Was für ein Gesalbe !
Monster
Nervendragées
Marokko
Marokko, ein Land mit viel Geschichte. Oder vielmehr ein Territorium mit viel Geschichte. Da waren wohl alle. Von den Römern zu den Osmanen, den Juden, jeglichen Berberstämmen, den Arabern und natürlich auch die Amerikaner und die Europäer waren und sind noch immer da. Alle brachten ihre Kulturen, Religionen und Gebräuche mit. Akzeptierten und/oder stritten sich. Wollten ihr Stück vom Kuchen und/oder bestimmten über die Verteilung.
Nun auch ich war im Märchenland. Tausendundeinenacht. Herrliche Paläste, Riads genannt, durfte ich bewohnen. Durch die Gassen schlendern und billig wunderbares Kunsthandwerk bestaunen oder kaufen. In einfachsten Ateliers mit alten Werkzeugen hergestellt. Immer freundliche Menschen begrüssten mich. Meist mit ein paar fehlenden Zähnen. In Marokko verdienen die Menschen wenig bis fast nichts. Und arbeiten viel. Können sich aber, wie die meisten Menschen auf diesem Planeten, ihre Gesundheit kaum leisten. Das Tausendundeinenacht ist uns Ausländern vorbehalten.
Mit dem Mietauto fuhren wir durch die fertile Landschaft. Dank den Bergen und den Flüssen sind die Täler seit Jahrhunderten gut bewässert. Von Rabat nach Chefchaouen und weiter nach Fes. Unterwegs die fleissigen Menschen auf den Feldern bestaunend, mit Pferd, Esel oder Maultieren bestückt. Gut genährt und muskulös waren die Tiere, denn sie konnten, während dem sie bepackt wurden, das feine Grün um sie herum fressen. Darauf mussten sie rennen. Hü. Mit Ware und Menschen auf dem Buckel oder im Schlepptau. Aber auch die Menschen hier sind muskulös. Traktoren sahen wir auf unserer Reise ganze vier. Und Autos können sich die wenigsten leisten. Darum wird, wenn kein Vierbeiner einem trägt, zu Fuss gegangen, Fahrrad gefahren oder eine Mitfahrgelegenheit gesucht.
Schäfer hat es auch viele. Entweder sie hüten nur eine Kuh oder ganze Herden. Meist Schafe oder Ziegen. Mit Stöcken werden sie getrieben oder von der Strasse weggehalten. Nur sind die Tiere nicht so dumm. Flink grasen sie sich der Strasse entlang. Denn da wächst der Halm, nicht auf dem Teer. Ansonsten werden die Tiere an langen Seilen angebunden oder ihre Vorderbeine zusammengebunden. So kommt kein Esel weit.
In den Städten hat es tausende von Katzen. In jeder Ecke und jeder Ritze sitzt oder schläft ein Kätzchen. Und werden von den Bewohnern gefüttert oder sie reissen die Abfallsäcke auf. Irgendwie geben die Katzen dem Ganzen noch einen mystischen Touch dazu.
Zudem war Ramadan. Eigentlich schon fast ein Volksfest, dieses gemeinsame Fasten und Leiden. Die Kinder sind stolz, wenn sie auch schon ein paar Tage gefastet haben. Dann sind sie wie die Grossen. Tagsüber schleppt man sich müde durch den Tag. Dann, eine halbe Stunde vor dem Fastenbrechen, leeren sich die Gassen und Strassen, die Läden werden geschossen, nachdem die letzten sich noch schnell was zu essen oder zu trinken kauften, und man eilt mit dem Blick auf die Uhr nach Hause. Es wird menschenleer und totenstill. Nur die Katzen und wir Touristen schlendern noch durch die Strassen. Dann erklingt die Sirene und von den Minaretten wir mit schöner oder weniger schöner Stimme zum Beten und Fastenende aufgerufen. Man versammelt sich Zuhause, auf den Dächern oder gemeinsam am Meer. Die Strassen bleiben leer, denn es wird gegessen und getrunken. Jeden Abend ein kleines Fest. Und danach geht’s meist raus. Die Strassen leben wieder auf. Die Läden machen wieder auf. Man versammelt sich und geniesst das Beisammensein mit Nahrung. Die Kinder spielen, die Menschen schwatzen und lachen. Die Nacht lebt.
Und wir werden langsam müde von den vielen interessanten Eindrücken. Und ziehen uns in unser Märchenschloss zurück.
Zeit
Was ich mir gestern alles vorgenommen habe! Also nicht wirklich was grosses wie die Welt erobern oder noch besser, die Welt verbessern. Nein, aber trotzdem viel zu viel. Zum Beispiel die Kleider sortieren. Die, welche von den Motten zerstört wurden und welche noch einigermassen heil sind. Das ist ein Elend mit diesen Motten. Da habe ich vor drei Jahren Grosses Vollbracht. Nämlich ALLE Kleider gewaschen, ich habe doch eine grosse Sammlung, und die Schränke geputzt, eingegiftet, Löcher und Ritzen mit Klebestreifen abgeklebt, damit ja keine Motte mehr überlebt, und wenn, dann nirgends ein einziges Eilein legen kann… Kasch dängge! Mindestens ein Männlein und ein Weiblein müssen überlebt haben, ein Ritzlein gefunden, und ihre Jungen haben sich durch meine neue Hanro Wolle-Seide-Unterhemden und durch meine schönen Kaschmir Pullover gefressen. Einen Monat Arbeit für die Katz.
Nun, die Kleider liegen heute noch auf dem Haufen, denn ich habe mir gestern noch anderes vorgenommen, wie zum Beispiel, das Bad reinigen, vollbracht, oder das feine Ölivenöl aus Ligurien mal in einen kleineren Behälter abzufüllen, um es mit dem exzellenten Toskanischen zu vergleichen. (Ja, ja, ich weiss, es gibt kein besseres als aus der Toskana.) Nun war ich vorsichtig, zu vorsichtig anfangs, damit ich das Keramikgefäss nicht überfülle. Extra auf einem Holzbrett habe ich die Aktion ausgeführt. Man weiss ja nie. Oder man weiss eben doch. Denn wenn ich zu vorsichtig bin, überkommt mich danach der Übermut, und es kam wie es kommen sollte: Es überlief… Nun kann man so feines Olivenöl ja nicht einfach wegspülen. Für das Holzbrett einzuölen war es zu viel ausgelaufenes, für meine Blockflöten zu olivenlastig. So musste der Tisch meines Grossvaters herhalten. Seine Beine lechzen schon lange nach einer Ölung. Ich verbrachte also eine ganze Weile mit einölen, auch die Kochlöffel und die hölzernen Messergriffe wurden eingeölt. Und meine sich schälende Haut dazu, adieu brasilianische Bräune. In der Zwischenzeit war die Putzfrau angekommen und schon auch fleissig am Staubsaugen, um meine Kleiderhaufen und meine Ölaktion. Auch kam ihre Tochter noch vorbei für einen Schwatz, die Nachbarin um uns alle zu sehen und und und. So blieb mir nichts anderes übrig, als das Spiel des Lebens, nämlich „die Zeit läuft einem davon“ mitzuspielen und es zu geniessen. Was soll’s. Ob ich jetzt zwei Löcher mehr im Pullover habe oder nicht.
Und ja, Serafino findet es sicher auch netter, auf der Weide im Wind zu grasen, als auf dem Plätzchen die Übungen zu machen. Und dann war auch schnell Abend. Aber immerhin ist jetzt die Wohnung sauber, das Holz geölt, und vielleicht schaffe ich es heute, meine Kleider zu sortieren und der verlöcherten Wahrheit ins Angesicht zu sehen….mir graut jetzt schon davon!













